🗣️ Die hochschuldidaktische Eignung im Berufungsverfahren
Lisa Scheer
Berufungsverfahren repräsentieren das zentrale hochschulinterne Steuerungsinstrument bei der Rekrutierung von Professor*innen und damit einhergehend bei der inhaltlichen Ausrichtung sowie personellen Zusammensetzung von Fächern und Instituten. Die rechtlichen Grundlagen und Rahmenbedingungen dieser Verfahren im DACH-Raum zeigen sowohl bezüglich der Zusammensetzung von Berufungskommissionen als auch bezüglich deren Aufgaben und Zuständigkeiten große Heterogenität. Insofern ist Beckers (2019, S. 122) Schluss, „dass es ‚das’ Berufungsverfahren nicht gibt“, nicht überraschend. Gewisse Elemente fänden sich zwar sehr häufig, aber „der Variantenreichtum ist … groß“ (ebd.).
Diese Vielfältigkeit betrifft auch die Formen der Überprüfung der hochschuldidaktischen Eignung von Kandidat*innen in Berufungsverfahren. Während einige Hochschulen im Verfahren selbst diesbezüglich zurückhaltend sind und stattdessen darauf setzen, Professor*innen nach ihrer Berufung bestmöglich zu unterstützen und ihnen maßgeschneiderte hochschuldidaktische Weiterbildungen, oft in Form von Coaching o.ä. (Linde & Szczyrba, 2012; Heucheber & Szczyrba, 2016), anzubieten, verlangen andere eine Lehrprobe (Salmhofer, 2016), ein Lehrkonzept (Krüper, 2024) oder gar ein Lehrportfolio (Trautwein & Merkt, 2013; Fendler, 2016; Heucheber & Szczyrba, 2016). Der verschiedenen Ausgestaltung des Verfahrens widmet sich der Vortrag. Es wird den Fragen nachgegangen, wie im Rahmen von Berufungsverfahren die hochschuldidaktische Eignung thematisiert wird, welche Methoden zu ihrer Überprüfung und welche Beurteilungskriterien zum Einsatz kommen. Anschließend wird der Ist-Stand aus der Perspektive der Hochschuldidaktik – als Wissenschaft – kritisch betrachtet.
Die Gestaltung der Aufnahme neuer Professor*innen wird in diesem Vortrag als strukturelle Bedingung der Lehr-Lernentwicklung verstanden, denn schon beim Eintritt in die Hochschule, bei der Rekrutierung neuen Lehrpersonals, werden die Weichen für die (zukünftig notwendige) hochschuldidaktische Professionalisierung und gesamtorganisationale Weiterentwicklung gestellt: „Eine … Professionalisierung der Lehrenden betrifft immer die gesamte Organisation, muss unterschiedliche Kontexte berücksichtigen, Ziele definieren und diese miteinander verhandeln.“ (Salmhofer, 2020, S. 62) Ziel des Vortrags ist es somit, einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Berufungsverfahren aus hochschuldidaktischer Perspektive zu präsentieren und auf einer Metaebene aufzuzeigen, welche Beitrag die Hochschuldidaktik zur Organisationsentwicklung leistet.
Dr. Lisa Scheer
Zentrum für Lehrkompetenz
Universität Graz
PowerPoint-Präsentation:
Die hochschuldidaktische Eignung im Berufungsverfahren