Academic Development Conference 2025

12.02.2025

🗣️ Hochschuldidaktische Netzwerke zur bedarfsorientierten Unterstützung der professionellen Entwicklung Hochschullehrender

#Hochschuldidaktik #Netzwerke #Kooperation #Gestaltungsmöglichkeiten

Martina Emke, Tobina Brinker, Alexander Kobusch

Hochschuldidaktische Netzwerke in Deutschland haben sich in den letzten Jahren stark entwickelt und diversifiziert. Am Beispiel zweier regionaler Netzwerke in Nordrhein-Westfalen werden die Möglichkeiten und Herausforderungen der Kooperation zwischen unterschiedlich strukturierten hochschuldidaktischen Netzwerken aufgezeigt. Trotz struktureller Unterschiede und begrenzter Ressourcen können durch aktive Gestaltung und gegenseitige Anerkennung effektive Kooperationen entstehen, die zur Weiterentwicklung der Hochschuldidaktik beitragen.

 

1. Hintergrund
In den letzten Jahren hat sich das Umfeld der Hochschuldidaktik stark gewandelt (Seidl, Salden & Metzger, 2022). Darüber hinaus haben sich in Deutschland mittlerweile eine Vielzahl von lehrbezogenen Netzwerken entwickelt, die unterschiedliche Aspekte von Hochschullehre und -didaktik in den Blick nehmen (vgl. https://stiftung-hochschullehre.de/netzwerk-und-transfer/lehrbezogene-netzwerke/). 

Angesichts einer solchen Vielfalt stellt sich die Frage nach Kooperationen zwischen hochschuldidaktischen Netzwerken. Dieser Kommentar skizziert exemplarisch die Kooperation zwischen zwei regionalen hochschuldidaktischen Netzwerken (Bade, 2021) in Nordrhein-Westfalen (NRW), Deutschland, und thematisiert die damit einhergehenden Gestaltungsmöglichkeiten und Herausforderungen.

 

2. Strukturelle Unterschiede hochschuldidaktischer Netzwerke in NRW
Das 2003 gegründete Netzwerk Hochschuldidaktik NRW (HD NRW, https://hd-nrw.de/) vereint hochschuldidaktische Einheiten von 17 Universitäten in NRW, die jeweils dezentral für die eigene Hochschule Angebote organisieren, die für Interessierte der anderen Hochschulen jedoch offen sind. Im Netzwerk erfolgt vor allem eine Abstimmung der Anforderungen an die hochschuldidaktischen Zertifikate. 

Das seit 1999 bestehenden Netzwerk hdw nrw (https://www.hdw-nrw.de/) organisiert hingegen die hochschuldidaktische Weiterbildung der 19 Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAWs) in NRW in einem gemeinsamen, offenen Programm zentral über eine Geschäftsstelle an der Hochschule Bielefeld. Die Programmplanung erfolgt unter Einbeziehung der Gremien (Programmausschuss, Mentor*innenkreis) und entlang der Bedarfe der 19 Mitgliedshochschulen, die teilweise über eigene didaktische Einheiten verfügen.

Der organisatorische Kernunterschied in der dezentralen Programmplanung innerhalb universitärer Einrichtungen gegenüber der zentralisierten Planung mittels einer Geschäftsstelle bringt spezifische Vor- und Nachteile mit sich: Während dezentrale Netzwerke flexibel auf Bedürfnisse direkt vor Ort an den jeweiligen Hochschulen eingehen können, sind zentralisierte Netzwerke in der Lage, schnell auf Veränderungen zu reagieren, jedoch oft weniger anpassungsfähig an kontextuelle Gegebenheiten. Die aus diesem strukturellen Unterschied erwachsenden Rahmenbedingungen prägen die Gestaltungsmöglichkeiten der Kooperation beider Netzwerke.

 

3. Gestaltungsmöglichkeiten der Kooperation zwischen hochschuldidaktischen Netzwerken am Beispiel Nordrhein-Westfalen
Die Kooperation zwischen dem hdw nrw und dem HD NRW hat eine lange Tradition. Allerdings hat sich diese Zusammenarbeit in jüngster Zeit vor dem Hintergrund der Entwicklung eines „Digitalen Ökosystems“ in NRW, in der auch die Rolle der Hochschuldidaktik und ihre Strukturen diskutiert werden, intensiviert. 

Stand in früheren Treffen der beiden Netzwerke der Austausch von Informationen zu strukturellen Unterschieden und Gemeinsamkeiten im Mittelpunkt, so liegt jetzt der Fokus auf der Feststellung und Umsetzung konkreter Möglichkeiten einer Zusammenarbeit. So wurden u.a. die Etablierung einer netzwerkeübergreifenden Arbeitsgemeinschaft zur Identifizierung aktuellere und aufkommender Themen in der Hochschuldidaktik sowie die Durchführung eines zeitlich begrenzten gemeinsamen Weiterbildungsangebotes diskutiert.

Weiterhin wurde überlegt, wie erreicht werden kann, dass die strukturelle Unterschiedlichkeit der beiden Netzwerke besser in den Diskursen zur zukünftigen Ausrichtung der Hochschuldidaktik in NRW wahrgenommen wird. In einem ersten Schritt dazu wurde die Erstellung einer Roadmap begonnen, die die Formulierung eines gemeinsamen Selbstverständnisses zur Hochschuldidaktik sowie die Festlegung gemeinsamer Ziele beinhaltet. 

 

4. Herausforderungen einer Kooperation zwischen hochschuldidaktischen Netzwerken 
Zu den Herausforderungen, die eine Kooperation zwischen hochschuldidaktischen Netzwerken beeinträchtigen können, gehören vor allem der Mangel an finanziellen und personellen Ressourcen, um beispielsweise gemeinsam geplante Weiterbildungsangebote durchführen zu können. Zudem benötigt es ständiger Aushandlungsprozesse, damit die differierenden Ziele und Prioritäten der beteiligten Institutionen nicht zu Missverständnissen und Konflikten führen.

 

5. Fazit 
Das Beispiel NRW hat gezeigt, dass das Bewusstsein und die Anerkennung struktureller Unterschiede dazu genutzt werden können, Kooperationsmöglichkeiten aktiv zu gestalten und eine nachhaltige und effektive Zusammenarbeit zu gewährleisten.

Die Publikation weiterer Praxisbeispiele von Kooperationen zwischen hochschuldidaktischen Netzwerken sowie zwischen inter- und intraorganisationalen Netzwerken (Barnat, 2021) und eine Beforschung dieser würde dazu beitragen, diesen wichtigen aber bislang wenig transparenten Bereich der Hochschuldidaktik besser für hochschuldidaktische und –politische Diskurse zu erschließen.