Academic Development Conference 2025

12.02.2025

🗣️ Lernziel: Medienkompetenz. Warum wir alle einen Schritt zurück machen sollten.

#Medienkompetenz #Künstliche Intelligenz #Lernziel #Servicestellen

Cornelia Amon

Zeiten der Disruption zeigen, wo die Schwächen eines Systems liegen, und machen bestehende Defizite sichtbar. In der Hochschulbildung, wo lebenslanges Lernen und kritisches Denken zentrale Ziele sind, muss Medienkompetenz als integrale Fähigkeit gefördert werden.

Medienkompetenz geht weit über den bloßen Einsatz digitaler Tools hinaus, sondern umfasst unter anderem die Fähigkeit, Informationsquellen kritisch zu bewerten, digitale Lehrmethoden sinnvoll zu integrieren und Studierende zur verantwortungsvollen Nutzung digitaler Medien anzuleiten (Baacke, 1997). Lehrende, die über hohe Medienkompetenz verfügen, können die Lernprozesse ihrer Studierenden effektiver unterstützen (Scheiter, 2021). Digitale Transformation hat hervorgehoben, dass die Medienkompetenz von Lehrenden in der Hochschulbildung oft nicht nur unzureichend ist, sondern auch nicht genug gefördert wird. Besonders in Krisenzeiten, wie der COVID-19-Pandemie, wurde offensichtlich, dass viele Hochschullehrende nicht ausreichend auf digitale Lehrformate und den kritischen Umgang mit digitalen Medien vorbereitet waren (Breitenbach, 2021). Auch in der Zeit des Hypes um KI zeigt sich wieder, dass viele Lehrende auf der Suche nach Informationen und Einsatzmöglichkeiten sind, aber auch nach klaren Regeln wie der Einsatz von KI – basierten Tools aussehen soll (Budde, 2024).

Medienkompetenz nach Baacke
Ein medienkompetenter Mensch analysiert welches Medium für den eigenen Einsatzweck passt, weiß um die theoretischen Hintergründe Bescheid, kann es anwenden und damit neues kreativ gestalten.

Im Hinblick auf den Umgang mit digitalen Medien bedeutet dies zum Beispiel zu wissen das es Textgeneratoren gibt die auf einer Masse an Daten basieren, die zu Teilen illegal oder in einem rechtlichen Graubereich genutzt wurde, mit denen Texte generiert werden, die auf Vorurteilen basieren können. Jede Lehrperson muss dann entscheiden, wie sie das Werkzeug für eigene Textgenerierung einsetzt aber auch inwieweit sie solch ein Werkzeug für ihre Studierenden empfehlen möchte. Im weiteren Verlauf kann nach Alternativen gesucht werden, um die Kompetenzen des prompten trotzdem vermitteln zu können, falls diese, als wichtig für das weitere (Berufs-)leben erachtet werden.

(Nach Möglichkeit einfügen Abbildung 1: Eigene Abbildung der Medienkompetenz nach Baacke angelehnt an Medienkompetenz als pädagogisches Konzept)

Warum Medienkompetenz als Lernziel?
Medienkompetenz akkumuliert unterschiedliche Fähigkeiten wie Reflexion, kreative Gestaltung und Recherchefähigkeiten in Bezug auf Medien. Diese Kompetenzen sind in der Hochschulbildung zentrale Ziele (vgl. Leitthemen BMWF) und können mit der Anwendung des Modells in der Weiterbildung von Lehrenden ihren Weg zu den Studierenden finden.

Hochschullehrende sehen sich heute mit einer Masse an digitalen Tools konfrontiert. Es findet sich bereits ein Wort für diese Überschwemmung mit verschiedensten Systemen und Modellen, und zwar das der „Toolifizierung“.
Nele Hirsch vom eBildungslabor beschreibt dies als die Tendenz sich auf das „Wie?“ beim Einsatz von Tools zu konzentrieren und das „Warum?“ außer Acht zu lassen. (vgl. Buck, Isabella, 2024) Die Entscheidung welches Medium gewählt werden sollte, wird bereits bei Baacke unter dem Pfeiler der Medienkritik behandelt. Dabei geht es darum Hintergrundwissen zu dem intendierten Werkzeug zu sammeln und einzuordnen und sich bewusst für oder gegen eine Nutzung zu entscheiden.
Abgesehen davon, dass der Fokus auf Tools den Inhalt in den Hintergrund rücken lässt, besteht die Gefahr durch die Vermittlung mit einzelnen Tools den Studierenden Eigenwirksamkeit zu nehmen. Auch diese verlassen sich ansonsten auf die Effektivität einzelner Werkzeuge und können keine kreativen Lernerfahrungen sammeln.

In Bezug auf Sicherheit im digitalen Raum bildet Medienkompetenz Möglichkeiten ab Menschen aller Altersstufen dabei zu unterstützen zu erkennen, was wichtige Informationen sind und wo Aufmerksamkeit generiert wird, um damit Gewinn zu erzielen. Fake News, Clickbait, Spam und Pyramidenschemas müssen nicht nur benannt, sondern auch erkannt werden können – dies kann nur geschehen, wenn die dafür notwendigen Medienkompetenzen in sicherem Rahmen eingeübt werden.

Nicht nur, aber auch in Bezug auf Sicherheit, Datenschutz und moralische Fragestellungen findet KI immer mehr Eingang in alle Prozesse unseres Alltags und damit auch in die Lehre. Somit soll und muss Wissen über KI-Systeme ebenso besonnen und reflektiert Platz in der Lehre finden, um Lernprozesse zu fördern und nicht vielleicht sogar zu schwächen (Gerlich, Michael; 2025). Ein Einsatz muss begleitet werden und die genauen Informationen zur Medienkunde sind für Lehrende und ihre Studierenden wichtig.

Daher: Medienkompetenz als Lernziel! Aber wie?
Wie können Lehr- und Lernserviceeinrichtungen von Hochschulen gegen den Fokus auf ein Tool oder generell einzelne KI-Modelle steuern? Von der Hochschulleitung ist dazu notwendig klare Rahmenbedingungen aufzustellen, wie der Umgang mit digitalen Tools an der eigenen Institution gewünscht wird. (siehe auch Budde, J 2024) Im weiteren Verlauf muss eine Vernetzung der unterschiedlichen Abteilungen stattfinden an denen Fragen zu KI auftauchen können damit eine einheitliche Kommunikation gewährleistet werden kann. Auch online sollte dazu ein klarer Weg gefunden werden. Wenn dieser Einsatz geleistet wird, können Mitarbeitende von Support – Stellen wichtigen Input leisten für alle Arten von Veränderungen. (Campbell, K., Schwier, R.A. & Kenny, R.F.; 2009)

Anstelle einzelner Toolempfehlungen und dem Kauf wahlloser Lizenzen muss auch von den Servicestellen auf die einzelnen Herausforderungen eingegangen werden. In vielen Fällen kann dies bedeuten, dass sich die Mitarbeiter*innen einer Servicestelle neu positionieren und einen Status als Expert*innen erst etablieren müssen. Das bedeutet mehr als „nur“ eine Auskunft zu geben, sondern sich in einen Austausch zu bewegen in dem herausgefunden werden kann, ob ein spezielles Tool dem Inhalt zuträglich ist oder ob andere Lösungen angedacht werden müssen.

Es liegt in der Natur unserer Zeit, dass wir nach schnellen Lösungen streben und das am besten präsentiertes Werkzeug das verlockendste scheint – genau hier müssen die Servicestellen als Spiegel auftreten und durch Nachfragen Reflexionsprozesse auslösen. Allerdings ist es dann ebenso wichtig auf dem zeitintensiveren Weg zu unterstützen und Lehrende nicht allein zu lassen. Niederschwellige Beratungsangebote und Fortbildungen können ein erster Schritt sein. Im weiteren Verlauf bedarf es einer kontinuierlichen Evaluation und ständigem Austausch mit Lehrenden, um sicher zu stellen, dass innovative, wirkungsvolle Lehre bestmöglich unterstützt wird.